
Wer am Forellensee oder an einem grösseren Fliessgewässer steht und mit dem klassischen Spinner oder der Posenmontage nicht mehr weiterkommt, sollte unbedingt einen Sbirolino im Gepäck haben. Diese Methode verbindet die Weite und Beweglichkeit des Spinnfischens mit der feinen Präsentation natürlicher Köder. In diesem Artikel erfährst du, was ein Sbirolino eigentlich ist, welches Gerät du brauchst, wie die Montage aufgebaut wird und mit welchen Tricks du deine Fangchancen deutlich steigerst.
Was ist ein Sbirolino?
Der Sbirolino – oft liebevoll einfach «Sbiro» genannt – stammt ursprünglich aus Italien. Dort wurde er entwickelt, um leichte Köder wie Fliegen, Bienenmaden oder kleine Kunstköder auf grosse Distanz anbieten zu können. Optisch erinnert er an eine längliche, meist transparente Pose mit einem Röhrchen in der Mitte, durch das die Hauptschnur läuft. Am dicken Ende sitzt ein Gewicht, das für die nötige Wurfweite sorgt und den Sbirolino im Flug stabilisiert.
Entscheidend ist das Absinkverhalten. Sbirolinos gibt es in verschiedenen Varianten:
- Schwimmend: Bleibt an der Oberfläche oder im obersten Wasserbereich. Ideal, wenn die Fische hoch stehen, etwa an warmen Tagen oder bei Insektenflug.
- Langsam sinkend: Der Allrounder. Er sinkt gemächlich ab und erlaubt dir, verschiedene Wassertiefen gezielt abzufischen.
- Schnell sinkend: Für tiefe Gewässer, starke Strömung oder wenn die Fische in Grundnähe stehen.
Das Gewicht ist in der Regel in Gramm auf dem Sbirolino aufgedruckt. Für die meisten Situationen am Forellensee bist du mit Modellen zwischen 10 und 25 Gramm gut beraten.
Das passende Gerät
Damit das Fischen mit dem Sbirolino Spass macht, sollte das Gerät darauf abgestimmt sein.
Rute: Bewährt haben sich Ruten mit einer Länge von 3 bis 3,9 Metern und einem Wurfgewicht von etwa 10 bis 40 Gramm. Die Länge ist wichtig, weil du mit langen Vorfächern arbeitest und diese beim Wurf sauber kontrollieren musst. Eine eher weiche Spitzenaktion hilft, die Bisse nicht zu verpassen und die oft weichmauligen Forellen beim Drill nicht auszuschlitzen.
Rolle: Eine Stationärrolle der Grösse 3000 bis 4000 mit einer sauber laufenden Bremse genügt vollkommen. Eine flache, gleichmässige Schnurverlegung verbessert die Wurfweite spürbar.
Hauptschnur: Viele Angler setzen auf monofile Schnur zwischen 0,20 und 0,25 mm, weil sie etwas Dehnung mitbringt und Fehlbisse abfedert. Wer maximale Wurfweite und direkten Kontakt möchte, greift zu einer geflochtenen Schnur um 0,10 mm, sollte dann aber ein Stück Monofil als Schlagschnur vorschalten.
Vorfach: Hier liegt ein grosser Teil des Erfolgs. Nimm ein Fluorocarbon- oder feines Monofil-Vorfach zwischen 0,14 und 0,20 mm. Die Länge beträgt typischerweise 1,5 bis 3 Meter – je klarer das Wasser und je scheuer die Fische, desto länger darf es sein.
Die Montage Schritt für Schritt
Die Sbirolino-Montage ist einfach aufgebaut und schnell gebunden:
- Fädle zuerst einen Gummistopper oder eine weiche Gummiperle auf die Hauptschnur. Sie schützt später den Knoten.
- Danach folgt der Sbirolino – das dünne Ende zeigt dabei Richtung Köder, das beschwerte Ende Richtung Rute.
- Eine zweite Gummiperle dient als Puffer zwischen Sbirolino und Wirbel.
- Binde nun einen kleinen Wirbel an die Hauptschnur. Er verhindert, dass sich das Vorfach beim Einholen verdreht.
- Am Wirbel befestigst du das lange Vorfach und am Ende den Haken oder Köder.
Ein kleiner Tipp: Manche Angler setzen den Sbirolino zusätzlich mit einem Stopper fest, damit er nicht auf der Schnur rutscht. Gleitend gefischt merkt der Fisch beim Biss jedoch weniger Widerstand – probiere beide Varianten aus.
Die richtigen Köder
Der Sbirolino ist ein echtes Multitalent, was die Köderwahl angeht. Bewährt haben sich vor allem:
- Bienenmaden und Mehlwürmer: Klassiker für Forellen. Am besten auf einen kleinen, feindrähtigen Haken der Grösse 8 bis 12.
- Forellenteig: Schwimmender Teig in auffälligen Farben ist am Forellensee kaum zu schlagen. Er hält den Köder knapp über dem Grund oder in der gewünschten Tiefe.
- Nassfliegen und Streamer: Ermöglichen eine sehr natürliche Präsentation, gerade bei verwöhnten Fischen.
- Kleine Gummiköder und Mini-Spoons: Bringen zusätzliche Reize durch Bewegung und Blitzen.
Wechsle die Köder regelmässig, wenn es nicht beisst. Oft entscheidet schon eine andere Farbe oder Grösse über Fang oder Schneider.
Werfen und Köderführung
Der Wurf mit dem Sbirolino unterscheidet sich etwas vom normalen Spinnfischen. Lass das Vorfach vor dem Wurf etwa so lang hängen, wie die Rute es zulässt, und wirf mit einer gleichmässigen, ruhigen Bewegung – nicht ruckartig. Kurz bevor der Sbirolino auf dem Wasser aufschlägt, bremst du die Schnur mit dem Finger leicht ab. Dadurch streckt sich das Vorfach und legt sich gerade hinter den Sbiro. Das reduziert Verwicklungen erheblich.
Nach dem Auftreffen kommt die Absinkphase. Zähle die Sekunden mit, bis du mit dem Einholen beginnst. So findest du heraus, in welcher Tiefe die Fische stehen, und kannst diese Tiefe bei den nächsten Würfen gezielt wieder ansteuern.
Die Führung selbst ist meist langsam und gleichmässig. Kurble gemächlich ein und baue immer wieder kurze Pausen oder leichte Zupfer ein. Gerade in den Pausen, wenn der Köder langsam absinkt oder aufsteigt, erfolgen viele Bisse. An trägen Tagen gilt: lieber noch langsamer als zu schnell.
Bisserkennung und Anhieb
Bisse beim Sbirolino-Fischen spürst du in der Regel direkt in der Rute oder siehst sie an einem Zucken der Schnur. Viele Forellen haken sich durch den Widerstand des Sbirolinos und die stetige Bewegung selbst. Ein kräftiger, aber nicht übertriebener Anhieb genügt. Danach gilt es, die Schnur stets auf Spannung zu halten und den Fisch mit eingestellter Bremse ruhig heranzudrillen.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- Zu kurzes Vorfach: Der Fisch bringt den Köder mit dem Sbirolino in Verbindung und wird misstrauisch. Lieber etwas länger wählen.
- Zu schnelle Führung: Gerade bei kaltem Wasser folgen die Fische dem Köder nur zögerlich.
- Verhedderte Montagen: Fast immer eine Folge davon, dass die Schnur vor dem Aufprall nicht abgebremst wird.
- Immer die gleiche Tiefe: Wer nicht systematisch verschiedene Absinkzeiten testet, verschenkt Potenzial.
Wo und wann lohnt sich der Sbirolino?
Seine Stärken spielt der Sbirolino vor allem an Forellenseen, Baggerseen und grösseren Stillgewässern aus, aber auch in ruhigeren Abschnitten von Flüssen und Kanälen. Besonders erfolgreich ist die Methode im Frühjahr und Herbst, wenn die Forellen aktiv sind und weite Strecken abschwimmen. Neben Forellen lassen sich je nach Gewässer auch Saiblinge, Döbel oder sogar Barsche damit überlisten.
Wichtig: Informiere dich vor dem Fischen über die Bestimmungen deines Gewässers. Nicht überall sind Sbirolino-Montagen, bestimmte Köder oder Widerhaken erlaubt, und auch Schonmasse und Fangbeschränkungen sind je nach Kanton und Revier unterschiedlich geregelt.
Fazit
Das Spinnfischen mit dem Sbirolino ist eine vielseitige und äusserst fängige Methode, die jeder Forellenangler beherrschen sollte. Mit der richtigen Rute, einem langen, feinen Vorfach und einer ruhigen, durchdachten Köderführung erreichst du Fische, die mit anderen Techniken kaum zu fangen sind. Probiere verschiedene Sbirolino-Typen, Köder und Absinkzeiten aus – mit jedem Ausflug ans Wasser wirst du sicherer und erfolgreicher.
Petri Heil!